Wer schon einmal genauer hingeschaut hat, bemerkt: Das „Unkraut“ in den Fugen ist nicht einfach ein grüner Einheitsbrei. Verschiedene Pflanzen mit verschiedenen Wuchsformen, verschiedenen Wurzeln, verschiedenem Verhalten. Das zu erkennen ist nicht nur botanisch interessant – es hilft auch dabei, die richtige Methode zu wählen. Denn eine Pflanze mit tiefer Pfahlwurzel braucht eine andere Behandlung als eine flach kriechende Bodendeckpflanze.
Die häufigsten Vertreter, die in deutschen Pflasterfugen anzutreffen sind, lassen sich gut unterscheiden.
Einjähriges Rispengras (Poa annua)
Das ist wahrscheinlich die häufigste Fugenbesiedlerin überhaupt. Einjähriges Rispengras wächst flach, bildet kleine Büschel und ist durch seine hellgrüne Farbe und die charakteristischen kleinen Ähren gut erkennbar. Es ist einjährig, setzt aber enorme Mengen an Samen – eine einzige Pflanze kann mehrere Hundert Samen produzieren.
Das Gute: Die Wurzel ist flach und relativ schwach. Mit einer Fugenbürste lässt es sich gut entfernen, und wenn man früh handelt, bevor es Samen setzt, ist der Kreislauf schnell unterbrochen. Das Problem: Es kommt fast immer wieder, weil überall Samen vorhanden sind.
Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Löwenzahn ist der Gegenpol zum Rispengras. Die Pfahlwurzel kann bei älteren Pflanzen zehn bis fünfzehn Zentimeter tief reichen, manchmal mehr. In einer Pflasterfuge sitzt sie fest, und wer nur den oberirdischen Teil entfernt oder abflammt, hat das Problem nicht gelöst.
Für Löwenzahn in Fugen führt kaum ein Weg am Fugenkratzer vorbei. Die Wurzel muss so vollständig wie möglich heraus. Bleibt ein größerer Teil stecken, treibt die Pflanze neu aus. Junger Löwenzahn, bevor er eine echte Pfahlwurzel gebildet hat, lässt sich deutlich leichter entfernen – das ist ein gutes Argument für frühzeitiges Handeln im Frühjahr.
Breitwegerich (Plantago major)
Breitwegerich ist an seinen breiten, oval-runden Blättern mit auffälligen Längsrippen gut zu erkennen. Er sitzt flach am Boden, bildet eine Rosette und ist sehr trittstabil – kein Zufall, dass er sich auf Wegen und Pflasterflächen besonders wohlfühlt. Die Wurzel ist nicht ganz so tief wie beim Löwenzahn, aber dennoch kräftig genug, um oberflächliche Behandlungen zu überleben.
Vogelmiere (Stellaria media)
Vogelmiere ist klein, zart und wirkt zunächst harmlos. Sie wächst schnell, kriecht flach über die Fuge und bildet dichte Matten. Die Wurzeln sind schwach und flach – mit einer Fugenbürste gut zu entfernen. Die Herausforderung ist ihre Geschwindigkeit: Vogelmiere kann schon bei Temperaturen knapp über null Grad wachsen und setzt sehr früh im Jahr Samen. Wer im Winter nicht hinschaut, hat im März bereits eine etablierte Population.
Scharbockskraut (Ficaria verna)
Im Frühling ein verbreiteter Gast in Fugen, besonders in schattigen Bereichen. Die kleinen, herzförmigen Blätter und gelben Blüten sind gut erkennbar. Scharbockskraut zieht sich im Sommer vollständig zurück und hinterlässt im Boden kleine Knöllchen, aus denen es im nächsten Jahr wieder austreibt. Das macht es hartnäckiger als es aussieht – das Entfernen der oberirdischen Teile genügt nicht dauerhaft.
Kleine Brennnessel (Urtica urens) und Große Brennnessel (Urtica dioica)
Brennnesseln in Fugen sind selten bei frisch verlegtem Pflaster, aber häufig bei älteren, stark bemosten oder vernachlässigten Flächen. Sie sind leicht zu erkennen und durch ihre Brennhaare unangenehm beim Entfernen. Handschuhe sind kein Luxus. Die Wurzel ist kriechend – bei der Großen Brennnessel besonders – und muss vollständig entfernt werden, da Reste wieder austreiben.
Was die Bestimmung bringt
Wer die Pflanze kennt, weiß, ob er eine Bürste oder einen Kratzer braucht, ob Hitze helfen wird oder ob manuelle Arbeit nötig ist. Rispengras und Vogelmiere lassen sich mit wenig Aufwand bei regelmäßiger Pflege kontrollieren. Löwenzahn und Brennnessel brauchen mehr Gründlichkeit. Das ist kein botanisches Hobby – es ist praktisches Wissen, das Arbeit spart.
