Wer wirklich dauerhaft keine Unkrautprobleme in Pflasterfugen haben will, landet früher oder später bei der Frage: Warum nicht einfach alles zumörteln? Zement oder Fugenmörtel in die Fugen, fertig. Das Unkraut hat keinen Platz mehr, kein Sand kann herausgewaschen werden, und das Problem ist gelöst.
Die Idee ist nachvollziehbar. Die Umsetzung hat aber einige Feinheiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Zement – was funktioniert und was nicht
Normaler Zement ist kein gutes Fugenmaterial für Pflasterflächen – und das liegt nicht daran, dass er nicht hart genug würde. Im Gegenteil: Er wird zu hart und zu starr.
Pflastersteine arbeiten. Sie reagieren auf Frost, Wärme, Belastung und Setzungen des Untergrunds. Eine Fuge, die mit starrem Zement gefüllt ist, kann diese Bewegungen nicht ausgleichen. Das Ergebnis sind Risse – entweder in der Fuge selbst oder entlang der Steinkante, was die Steine beschädigen kann. Bei feinkörnigen Natursteinen oder dünneren Platten ist das Risiko besonders hoch.
Zement in Fugen ist deshalb in der Regel keine empfehlenswerte Lösung – nicht weil er nicht haftet, sondern weil er zu wenig Flexibilität lässt.
Fugenmörtel – die richtige Alternative
Speziell entwickelter Fugenmörtel für Pflasterbeläge ist anders zusammengesetzt als normaler Baumörtel. Er enthält Zusatzstoffe, die ihm nach dem Aushärten eine gewisse Elastizität geben. Er ist hart genug, um Unkraut dauerhaft fernzuhalten, aber flexibel genug, um kleine Bewegungen im Belag auszugleichen.
Das ist der entscheidende Unterschied zu Zement. Fugenmörtel ist für diesen Einsatzzweck konzipiert, Zement nicht.
Wie er eingebracht wird – ob als Trocken- oder Nassverfahren – und worauf dabei zu achten ist, hat einen eigenen ausführlichen Artikel. Grundsätzlich: Fuge gründlich reinigen, Material einkehren oder einarbeiten, einwässern, aushärten lassen.
Wann der Einsatz sinnvoll ist – und wann nicht
Fugenmörtel eignet sich gut für Terrassen und Gehwege, die nicht oder kaum befahren werden, auf stabilem Untergrund verlegt sind und eine gute Entwässerung haben.
Bei Einfahrten, die regelmäßig mit Fahrzeugen befahren werden, sind die mechanischen Belastungen höher. Hier kann selbst flexibler Fugenmörtel mit der Zeit aufreißen. Polymersand ist in solchen Situationen oft die dauerhaftere Alternative – er ist weicher, gibt mehr nach und hält die Fuge trotzdem ausreichend geschlossen.
Bei schlechter Entwässerung ist Vorsicht geboten. Wenn Wasser nicht gut abfließen kann und in der Fuge oder darunter stagniert, kann Frost dieses Wasser gefrieren lassen und selbst stabilen Fugenmörtel aufsprengen.
Ein Punkt, den viele übersehen
Fugenmörtel ist nicht reversibel. Wer eine Fläche neu mit Mörtel verfugt und danach einzelne Steine austauschen muss – wegen Setzungen, Schäden oder Veränderungen – hat erheblich mehr Aufwand als bei Sandfugen. Das ist kein Grund, den Einsatz grundsätzlich abzulehnen, aber ein Faktor, der bei der Entscheidung eine Rolle spielen sollte.
Wer eine neue Fläche anlegt, sollte außerdem überlegen, ob eine gemischte Strategie sinnvoll ist: Polymersand für Einfahrtsflächen, Fugenmörtel für Terrassen und wenig belastete Wege. Das gibt mehr Spielraum und macht Teilreparaturen einfacher.
Kurz gesagt
Zement in Pflasterfugen – eher nicht. Zu starr, zu rissanfällig. Spezieller Fugenmörtel – ja, wenn die Bedingungen passen: stabiler Untergrund, gute Entwässerung, wenig Fahrzeugbelastung. Für Einfahrten mit Fahrzeugverkehr ist Polymersand die robustere Wahl.
